Arschtritt

tomorrow

Jetzt reichts. Zieh dich an, wir fahren jetzt zur Uni und schreiben dich ein. Aber für was denn? Ist mir egal! Du hängst hier nicht noch weiter rum und tust nix! Das waren die Worte meiner Mutter am letzten Immatrikulationstag der Uni. Also habe ich mich angezogen, bin schmollend mit zur Uni gelaufen und habe mich trotzig für meine beiden Hassfächer aus Schulzeiten eingeschrieben. Mathe und Spanisch. Tja. Und heute bin ich Mama dankbar, dass ich endlich Spanisch sprechen kann, dass ich Mathe tatsächlich ein Semester (fast) durchgezogen habe bzw. mit meinen netten Kommilitonen lecker frühstücken war.  Dass ich erkannt hab wie schön doch die deutsche Sprache ist. Und schließlich tatsächlich mein Studium fertig gemacht hab.

Manchmal braucht man einen richtig fetten Arschtritt. Manchmal schafft man es nicht allein. Ich wusste genau, dass ich nicht für immer mittwochs-sonntags feiern gehen konnte. Ich wusste, dass ich nicht für immer den ganzen Tag in der Stadt Kaffee trinken gehen konnte. Aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen mir über die Zukunft Gedanken zu machen. Vorher dachte ich schon die Wahl der Abifächer würden mein ganzes Leben prägen. Tagelang hab ich zuhause gegrübelt was ich in meinem Leben mit Englisch und Pädda anfangen kann. Aber Unifächer? Die sind doch wirklich wichtig. Also so richtig echt. Die bestimmen dein ganzes Leben. Und bevor man sich da falsch entscheidet, entscheidet man lieber gar nicht und betet zu seinem Gott für ein Wunder. Ein ganz großes bitte.

Das Wunder vollbringen dann deine Eltern, deine Freunde, deine Geschwister. Und weil du genau weisst, dass sie recht haben, wenn sie dir sagen, dass du dich endlich entscheiden musst. Endlich anfangen musst. Endlich etwas zu Ende bringen musst. Weil du genau das weisst, wirst du pissig. Bist richtig sauer, dass sie sich ein Herz gefasst haben, um dir den Arschtritt zu verpassen, den du so dringend nötig hast. Aber anstatt dankbar zu sein, brüllst du sie an. Findest es unfair. Sagst ihnen, dass es nicht ihr Problem sei. Dass es sie nichts anginge. Aber, wenn du die Hilfe annimmst, wenn du es endlich machst. Endlich geschafft hast, was du dir so lange vorgenommen hast, dann ist es das beste Gefühl, das du dir vorstellen kannst. Das Gefühl von Erfolg. Ein richtiger Rausch.

Wieso ist es so schwer immer an genau dieses Gefühl zu denken, wenn man es mal wieder nicht schafft sich aufzuraffen? Und wieso sind wir gleich so sauer, wenn wir auf unsere Faulheit, Unsicherheit oder Entscheidungsunfreudigkeit angesprochen werden? Wieso werfen so viele Menschen ihr Leben einfach weg? Tief im Inneren sind wir doch jedes Mal dankbar, dass jemand an uns denkt. Uns helfen will. Uns zu unserem Glück zwingt.

Ich war damals ziemlich sauer, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe, was ich wirklich mit meiner Zukunft anfangen will und war ziemlich froh, dass Mama mir mal wieder einen Arschtritt verpasst hat.

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