Schminke, Jungs und Popmusik

Ein lauer Sommerabend. Die perfekte Temperatur. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Die Mädels sind endlich mal wieder vereint auf der Dachterrasse. Lange haben wir uns nicht gesehen. Erstmal updaten, was in der Zwischenzeit so passiert ist. Doch nach ein paar Bier fällt uns etwas auf. Ist euch klar, dass wir jetzt die ganze Zeit über die Flüchtlingspolitik diskutiert haben? Einfach so? Weil es uns wirklich interessiert? Wir sind echt alt geworden!

Wann haben wir aufgehört nur noch über Schminke, Jungs und Popmusik zu reden?

Es wär gelogen, wenn ich sagen würde, dass wir jetzt nur noch über Politik reden würden, aber es kommt doch immer öfter vor. Und das finde ich ziemlich toll. Zu oft muss sich unsere Generation vorwerfen lassen, sich nicht mehr für das politische Geschehen auf der Welt zu interessieren. Und mit Sicherheit ist es noch nicht genug. Aber ein Meinungsaustausch ist schon mal ein guter Anfang. Und weitaus besser, als mit irgendwelchen Facebook-Bildern Likes für eine bessere Welt zu sammeln.

Und trotzdem trifft man immer wieder auf Menschen, die nur über Themen wie Titten und Ärsche philosophieren und sich wie 10-Klässler dagegen wehren, sich eine Meinung zum Ukraine-Konflikt zu bilden. Die Ohhhh-nääää-keine-ernsten-Gespräche-ihr-macht-die-ganze-Stimmung-kaputt-Menschen sind meistens aber genau die, die einfach versäumt haben, sich mal mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen. Aber wär es nicht erstrebenswert das ganze post-pubertäre Gehabe mal über Bord zu werfen? Ist das nicht die neue Coolness?

Warum möchte keiner mehr auf die Straße gehen? Wieso gibt es keine neuen Revoluzzer? Wann wurde der „Gutmensch“ zu einem negativ konnotiertem Wort? Warum wollen wir nichts verändern? Und wann sind wir alle zu Wir-können-doch-eh-nichts-daran-ändern-Menschen geworden?

Ist es einfach die Bequemlichkeit? Samstag auf ne Demo gehen oder doch lieber auf der Couch bleiben? Oder ist es vielen wirklich egal, was auf der Welt passiert? Sind wir mit der Zeit einfach zu egoistisch geworden? Und das, obwohl man in den Medien jeden Tag sieht, und zwar mehr als je zuvor, was politisch abgeht. Vielleicht ist es zu viel. Eine Reizüberflutung, bei der man irgendwann nur noch den Tunnelblick einstellt, weil man sonst nur noch an das Schlechte im Menschen glaubt.

Ist es also vielleicht nur Verdrängung aus Selbstschutz? Aber das würde nicht zählen, denn das Leben ist halt nicht nur Schminke, Jungs und Popmusik. Manchmal muss man sich eben auch mit vermeintlich langweiligen Themen beschäftigen. Aber wenn man einmal drin ist, dann ist es gar nicht mehr so unspannend. Versprochen! Es ist sogar ein bisschen wie Serie gucken und auf die nächste Staffel warten (Ein BISSCHEN!).

Ob ich mit den Mädels mal auf ne Demo gehe weiß ich nicht. Aber zur Nächsten lade ich sie zumindest bei Facebook mal ein.

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