NEXT!

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Donnerstagabend. Lieblings-WG. Billiger Rotwein. Wanda schwärmt leise im Hintergrund von Bologna. Endlich wieder Mädelsabend. Und? Wie läuft’s mit den Typen? Ach ich hab da einen kennengelernt. Und? Wann trefft ihr euch? Keine Ahnung. Und? Findet er dich auch gut? KEINE AHNUNG! Habt ihr noch nicht drüber geredet? Nein.

Und dann kommt er. Der Satz, den keiner hören will. Der Satz, der sofort Gänsehaut bereitet (bei manchen auch spontanes Erbrechen, Lachen, Weinen, Augenrollen, Geschrei, Schwitzen oder Schweigen): Na dann musst du ihm sagen was du fühlst!

Kurze Stille. Dann lautes Lachen. Ja genau! Um dann die Handynummer zu wechseln, auszuwandern, mir eine neue Lieblings-WG zu suchen und das ganze Drama von vorne zu beginnen. Nein danke, das ist mir zu kompliziert, dann warte ich lieber ab was passiert und sage zur Not: NEXT!

Aber warum trauen sich so viele nicht, unangenehme Dinge offen anzusprechen? Ist es die Angst vor Ablehnung? Die Angst ausgelacht zu werden? Sind wir aus dem Alter nicht schon lange raus? Was kann schlimmsten Falls passieren?

Wenn man so ein Schisser ist wie ich, dann kann so einiges passieren! Dann malt man sich die schlimmsten Horrorszenarien aus. Und dann steigert man sich so sehr in dieses schlechte Gefühl hinein, dass ein offenes Gespräch unmöglich wird.

Aber es soll auch die anderen geben. Die Tapferen. Die Jeanne D’Arcs der offenen Gespräche. Die ihren ganzen Mut zusammen nehmen und Tacheles reden. Die wissen wollen was Sache ist. Und die auch nach einer Niederlage erhobenen Hauptes das Schlachtfeld der ersehnten Liebe (Sorry ich muss auch gleich kotzen, aber es überkommt mich grad) wieder verlassen. Denn…sie haben es versucht! Und, noch viel wichtiger, sie wissen jetzt woran sie sind. Und eigentlich darf man nur danach rufen: NEXT!

Denn wenn man die Fronten sofort klärt, muss man nicht wie ein Schisser ein Jahr warten, ob sich was tut und falls sich nichts tut, muss man sich nicht mit viel starkem Willen wieder entlieben. Muss nicht jedes Wort des Angebeteten auf die Goldwaage legen, um es dann mit den Mädels bis ins kleinste Detail zu analysieren und sich dann anzuhören: Doch, doch, der steht auf jeden Fall auf dich, wenn er sowas sagt!

Aber man muss sehr wohl, sowohl als Tapferling oder als Schisser, immer auf eine Enttäuschung gefasst sein. Das ist okay. Obwohl man aber als Schisser ganz bestimmt öfter enttäuscht wird, weil der Auserwählte nichts von seinem Glück ahnt. Und die Mutigen werden nach einer Niederlage vielleicht noch viel mutiger.

Ich probiere das bei der nächsten Gelegenheit auch. Also natürlich kein direktes Gespräch. Ich fang erstmal klein an. Vielleicht eine E-Mail. Oder einen Brief. Oder vielleicht warte ich erstmal ab wie es so läuft.

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