Träumer und Macher

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Als ich im Dezember meine Umzugskartons gepackt habe, ist sie mir in die Hände gefallen. Wir hatten uns schon lange nicht gesehen, aber jetzt musste ich sie einfach aufklappen und durchgucken. Meine alte Abi-Zeitung. Nach vielen „Achjaaa“’s und „Oh Gott“’s fand ich schließlich ein Ranking, in dem mein Name auftauchte. Wer träumt am meisten? Mein Name auf Platz 3. Ich weiß noch genau wie ertappt ich mich damals gefühlt hatte und so war es auch dieses Mal.

Ja es stimmt. Den halben Tag verbringe ich mit Tagträumen. Selbst während Klausuren hab ich mich dabei erwischt, wie ich aus dem Fenster starrte und daran dachte, was wäre wenn…

Träumer sind auch oft Verschieber. Bevor ich irgendwas tue, muss ich es erstmal planen. Und wenn ich es dann geplant habe und auch nur eine Kleinigkeit nicht passt, dann wird es verschoben. So war es zum Beispiel auch mit meiner Garderobe, die ich so erfolgreich ersteigert hab, die dann irgendwann endlich bei mir war und die dann noch wochenlang rumlag, weil ich keine Bohrmaschine hab (und selbst wenn ich eine hätte, müsste ich erstmal per Youtube-Tutorial checken, wie man bohrt, um dann festzustellen, dass ich sie schief angebracht hätte und dann wär sie für immer so an der Wand geblieben). Aber in diesem Fall hatte ich Glück. Eine Macher-Freundin hat von meinem Drama erfahren und kam spontan mit ihrer Bohrmaschine vorbei und wir haben zusammen die Garderobe und sogar ein Regal angebracht (unfassbar wie schnell sowas geht!).

Ich bewundere die Macher. Wie sie selbstverständlich und ohne groß darüber nachzudenken Dinge tun. Ein Jahr in Barcelona leben? Klar warum nicht! Selber eine Firma gründen? Na sicher, kein Problem! Am Flughafen entscheiden wo man jetzt hinfliegt? Mach ich immer so! Einen Macher erkennst du daran, dass er sein Studium zacki durchgezogen hat, dass in seiner Wohnung alles seinen Platz hat, dass er den Job hat, von dem er schon immer geschwärmt hat und, dass er das alles alleine geschafft hat.

Aber träumen Macher auch manchmal noch? Gibt es Dinge, die sich ein Macher auch nicht zutraut? Und ziehen Träumer auch mal Sachen durch, ohne lang drüber nachzudenken? Sind sie manchmal vielleicht doch nur zu faul um ein Macher zu werden?

Hat nicht jeder Macher auch ein bisschen Träumer in sich und andersherum?

Und dann merke ich, dass ich im Studium nicht die schnellste war, aber ich hab es beendet. Dass ich zwar nicht wie erträumt in Paris wohne, aber immerhin nicht mehr in der Heimatstadt. Dass ich leider nicht Kolumnisten bei der Cosmo bin, aber tatsächlich Journalistin. Dass ich schon viel von der Welt gesehen hab. Und, dass ich nach zwei Jahren „Ich hätte so gerne einen Blog“ jetzt auch damit angefangen hab. Vielleicht brauchen Träumer ein bisschen länger und vielleicht schaffen sie auch nicht alles, was sie sich erträumt haben, aber vielleicht würde ein Macher auch gerne mal ein bisschen länger träumen und nicht alles sofort machen.

Ich habe nach sechs Monaten immer noch keine Schlafzimmerlampe, aber ich weiß schon wie sie aussehen soll.

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