Mindfuck Music

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Wenn ich das Haus verlasse sind das wichtigste Accessoire meine Kopfhörer. Und dann entscheidet nur noch die Musik wie ich mich heute fühle, wo ich gleich sein werde und ob dieser Tag noch gut endet.

Seitdem mein Weg zur Straßenbahn immer an den kleinen Cafés der Aachenerstr. entlang führt, höre ich unentwegt meine vive-Playlist. Und dann fühle ich mich wie Amelie. Wie eine Französin, die durch die kleinen Gassen durch Paris zur Arbeit schlendert. Gucke durch die Schaufenster in die Bäckereien und Lokale und überlege, ob ich mir noch schnell ein Croissant fürs petite déjeuner kaufe. In der Straßenbahn spekuliere ich dann wo die anderen Menschen wohl hinfahren. Zum Sonnen an die Seine?

Der ganze Zauber endet sobald ich die Stöpsel herausnehmen muss, um dann wieder in Köln-Deutz zu landen. Auf dem Rückweg darf es dann gerne durch Spanien oder Südamerika gehen. Ich höre Salsa und stelle mir vor, wie die Menschen vor den Bars ihre Hüften schwingen. Ich höre ein spanisches Liebeslied und erinnere mich daran, wie wir auf der Exkursion durch Andalusien im Auto nach ein paar Tagen mitsingen konnte, weil es im Radio rauf und runter lief. Ich höre einen furchtbaren Reggeaton-Song und wünschte ich wär wieder auf dem Boot vor der kolumbianischen Karibikküste und tanze und lache und trinke bitteren Rum. Ich höre Manu Chao und weiß genau, dass meine Schwester die Augen verdreht und schreit: Nicht Clandestino!!!

Wieso kann Musik unsere Gedanken so stark beeinflussen?

Wenn ich schlechte Laune habe, dann hab ich die Wahl, ob sie noch eine Woche so schlecht bleibt oder ob ich jetzt lang genug geschmollt hab. Und das entscheidet ganz allein meine Playlist, was mit mir passiert.

Als jetzt die ersten Sonnenstrahlen endlich zum Vorschein kamen, habe ich, dringender als meine Flipflops, meine Sommer-Playlist aus dem letzten Jahr gesucht, um dann festzustellen, dass sie zu diesem Sommer gar nicht mehr passt.

Und wenn die ersten Schneeflocken fallen, dann gibt es nur noch The Temper Trap, die ich im Sommer niemals hören könnte, weil sie nun mal auf meiner Winter-Playlist sind.

Und dann erinnere ich mich, wie ich mich vor 2 Jahren im Winter gefühlt hab. Und ich erinnere mich, wo ich das Lied gehört hab. Und ich erinnere mich, wie es gerochen hat. Und ich erinnere mich, wo ich hergelaufen bin.  Und dann wünsche ich mir manchmal genau diesen Moment zurück oder ich bin froh, dass alles so gekommen ist, wie es jetzt ist.

In dem Film Can a song save your life findet das wahrscheinlich schönste Musikdate statt, dass ich mir vorstellen kann. Beide haben Kopfhörer auf und spielen sich via Splitkopfhörer ihre Lieblings-Playlists vor, während sie durchs nächtliche New York streifen.

Ich sitze gerade an der neuen Sommer-Playlist und überlege gut, wie ich nächstes Jahr auf meine erste Zeit in Köln zurückblicken will.

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