#highsociety

Press for champagne

Als ich neulich nach einer durchzechten Nacht morgens nachhause getorkelt bin, bin ich vor einem Club über einen alten abgeranzten roten Teppich gestolpert. Wütend bin ich weiter gestapft, bis mich ein Gedanke stoppte: Warum zur Hölle wollen alle unbedingt auf den roten Teppich?! Berühmt sein? Dazu gehören? Um jeden Preis etwas Besonderes sein?

Welches Schräg-stell-und-Handy-vor-die-Fresse-Selfie-Mädchen glaubt wirklich, dass irgendjemand ankommt und sagt: Deine Fotos sind so schön, auf denen du dein dummes Köpfchen neigst und dein Gesicht mit dem Handy versteckst. Ich will dich berühmt machen, denn du wählst immer genau den richtigen Instagram-Filter aus, Baby!

Oder geht es vielleicht gar nicht darum? Wollen diese Menschen ihren Freunden vielleicht nur zeigen, wie gut es ihnen geht? Was sie für ein tolles Leben führen? Oder wollen sie sich womöglich selber einreden, dass sie das perfekte Leben haben? Sind die Schräg-stell-und-Handy-vor-die-Fresse-Selfie-Mädchen unbefriedigte Perfektionistinnen?

Keine Frage, Bestätigung tut gut! Sehr gut. Egopush heilt Seelenschmerz. Und den sucht jeder auf seinem eignen Weg. Musik machen, gute Noten, Schachspielen oder sich eben im Alltag fotografieren, bevor man das Haus verlässt, Sport macht oder während man das Essen kalt werden lässt. Und da es scheinbar immer Leute gibt, die das sehen wollen (Der Mensch ist ja von Natur aus ein Spanner), ist es doch schön, dass man sich dann so fühlen darf, als wär man jetzt eine von denen. So ein richtiges It-Girl, das locker den Hashtag #highsociety unter ihre Bilder setzen kann und die Follower dann sagen: Die alte Bitch ist jetzt voll famous.

Als Kind hab ich mich oft verkleidet. Ich wollte immer unbedingt eine Prinzessin sein. UNBEDINGT! Habe selbst im Winter nur Kleider getragen, die alle eigene Namen und Funktionen hatten. Und wenn ich Geburtstag habe, dann trage ich auch immer noch mein Glitzerkrönchen.

Vielleicht wollen die #highsociety-Prinzessinnen auch einfach nur spielen. Sich Highheels anziehen, auf denen sie nicht lang laufen können, kurze Kleidchen tragen, die andere in der T-Shirt-Abteilung suchen würden, Walla-Walla-Haare toupieren, die Heidi Klums Stylistin vor Neid erblassen lassen. Um sich dann mit gekreuzten Beinen vor den Spiegel zu stellen und mit genervtem Blick (weil man gerade wirklich besseres zu tun hat, als euch noch das Outfit of the day zu präsentieren) ein Foto zu machen.

Also liebe Insta-Welt…wenn die #highsociety-Girls (es gibt auch die männliche Variante, aber da kommen wir dann vom Regen in die Traufe) schon so nett sind und uns jeden Tag fleißig begrüßen bevor sie ins Gym gehen, dann kann man sie ja wohl wenigstens mit einem Like wertschätzen. Denn wir sind ja schließlich nur neidisch, dass wir unser Essen schon halb verspeist haben, bevor uns einfällt, dass wir es für die Nachwelt hätten festhalten können. Und dann in der logischen Konsequenz kein Sixpack nach 30 Tagen präsentieren können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.