Mach’s dir selbst!

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Es ist ein paar Jahre her, da bin ich morgens mit höllischen Zahnschmerzen aufgewacht. Nein, die kamen natürlich nicht aus dem Nichts. Ich habe sie quasi heraufbeschworen, weil ich das leichte Ziehen seit Wochen ignoriert hatte. Schon im Kindergarten hatte ich Karius und Baktus auf meine schwarze Liste gesetzt, denn Zahnärzte…die waren wirklich mein Horror.

Aber es half alles nix. Ich machte mich also fast unter Tränen (FAST!!!) auf in die Praxis. Und obwohl ich wusste, dass der Doc echt nett und einfühlsam war, hätte ich am liebsten Mama angerufen, um sie zu bitten mitzukommen. (Und ich weiß, du hättest es getan!!!)

Zack…Diagnose: Wurzelbehandlung.

Eine Wurzelbehandlung? Ich? Jetzt? Das geht nicht!!!! Ich muss mich doch noch mental darauf vorbereiten. Mich total verrückt machen. Alle anderen um mich rum total verrückt machen. Den Termin drei Mal verschieben. Schmerztabletten schlucken und mir einreden, dass es gar nicht so schlimm ist. Im Internet googlen, ob es irgendwelche Hausmittel dagegen gibt. Mama anrufen! Ganz dringend Mama anrufen! Aber nichts von dem konnte ich in diesem Moment noch tun. Denn ich lag schon auf dem Stuhl des Grauens. Und dann ging es los…

„Frau K. gucken Sie mal, das hier war die Wurzel ihres Zahns. Sieht aus wie ne Glasnudel oder? Gucken Sie doch mal!!!“

Und tatsächlich. Das kleine schrumpelige Etwas sah aus wie eine Glasnudel.  Aber noch viel wichtiger war:  es hat mal wieder nicht weh getan. Zumindest nicht so sehr, wie ich es mir seit Wochen vorgestellt hatte. Und schon gar nicht so sehr wie die Schmerzen, die ich vorher hatte. Und doch, habe ich wieder bis zum Schluss gewartet, um endlich zum Zahnarzt zu gehen. Warum? Warum erinnere ich mich nie dran, dass es eigentlich noch nie schlimm beim Zahnarzt war und ich mir das nur einrede, weil alle anderen es auch sagen? Wieso immer diese Panik?

Selbsttherapie ist das Schlüsselwort. Den Punkt finden, an dem man sich überwinden kann zum Zahnarzt zu gehen und dann schnell los! Um dann zu merken, wie lächerlich man sich vorher gemacht hat. Weil alles halb so wild ist. Sich den Ängsten stellen und danach doppelt so stolz auf sich sein. Tolles Gefühl!

Mach’s dir selbst nicht so schwer und überleg mal was im schlimmsten Fall passieren könnte. (Also wirklich passieren könnte…Zombies gelten nicht!)

Heute bekomme ich die letzten zwei Impfungen für meine Malaysiareise im Sommer, nachdem ich schon 12 Stück in den letzten Wochen bekommen hab. Ja ich habe Angst vor Spritzen. Ja ich habe wirklich ALLE verrückt gemacht! Ja es tat auch einige Mal weh. Und ja es war verrückterweise absolut auszuhalten (Ich habe mich nur nach einer Impfung high gefühlt und das war auch gar nicht mal so schlimm).

Habe ich wirklich Angst vorm Zahnarzt? Habe ich wirklich Angst vor Spritzen? Könnte ich niemals eine Spinne anfassen? Blamier ich mich, wenn ich vor einem großen Publikum spreche? Soll ich lieber auf Nummer sicher gehen oder kann ich mich überwinden, um dann zu merken, dass nicht bei jedem Zahnarztbesuch gebohrt werden muss, um zu merken, dass eine kleine Impfung angenehmer ist als japanische Enzephalitis? Dass manche Spinnen sogar flauschig sind? Und dass Stressflecken scheinbar weit verbreitet sind?

Ich fahre immer noch extra nach Bochum zu meinem Zahnarzt. Ich glaube nicht, dass es in Köln einen gibt, der genauso nett ist…

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