Forever alone in Cologne

Forever alone in Cologne

Als ich neulich mit dem RE1 in Richtung Heimat gefahren bin und nebenbei in der NEON gestöbert hab, bin ich auf einen recht unauffälligen Buchtipp gestoßen: Das Gegenteil von Einsamkeit. Und da fing es sofort an in meinem Kopf zu rattern…Ja genau, was ist denn das Gegenteil von Einsamkeit? Gesellschaft haben? Immer auf der Rolle sein? Viele Freunde haben?

Zwei Tage später hielt ich das gelbe Buch mit netten Mädchen vorne drauf in der Hand. Und abends im Bett klappte ich das sofort verschlungene Meisterwerk der jungen Autorin wieder zu. Es gab nur noch diesen einen Gedanken: Ich bin ganz schön einsam hier in der neuen großen Stadt.

In ihren Essays und Stories beschreibt Marina Keegan immer wieder Situationen, in denen man glaubt in Gesellschaft zu sein, jedoch tief im Inneren sehr alleine ist.

Keine Frage, ich hab in Köln schon sehr tolle Menschen kennenlernen dürfen. Allerdings mit einem Unterschied: Ich habe mir vorher nie darüber Gedanken gemacht, wie viele Freunde ich habe oder wie man überhaupt Leute findet, mit denen man abhängen kann. In der Heimat waren einfach immer Leute da…aus der Schule, aus der Uni, durch Jobs oder einfach Freunde von Freunden. Freundschaften zerbrachen, neue Freunde kamen hinzu. Und manchmal waren sie so schnell wieder weg, dass man sich heute nur noch schwach an sie erinnert.

Fakt ist: es waren immer genug da!

Aber ist Alleinsein so schlimm? Braucht man das nicht manchmal? Ist es vielleicht sogar mal nötig länger allein zu sein, um sich wieder mehr auf sich selber zu besinnen?

Wenn Menschen neue Partnerschaften eingehen, dann wird ihnen oft von Freunden geraten: Willst du nicht erstmal ein bisschen allein sein, bevor du dich auf jemand anders einlässt?! Klingt erstmal klug, aber wieso wird das eigentlich immer gesagt? Was passiert, wenn man von eine in die nächste Beziehung hüpft? Bleibt man dann immer nur die Hälfte eines Wirs? Muss man sich sofort eine neue Hälfte zum andocken suchen, weil man alleine wahnsinnig wird? Und ist es für Dauersingles dann überhaupt möglich wieder eine Hälfte zu werden, wenn man so lange erfolgreich ein Ganzes war?

Ich finde Alleinsein oft ziemlich super! Einen ganzen Tag nur das machen worauf ich Bock hab. Stundenlang Kaffee trinken, lesen, kochen, Filme gucken und das alles in meiner hässlichen verwaschenen Schlangen-Hose. Ein Träumchen!

Aber dann ereilt es mich plötzlich. Das Gefühl: Ich will jetzt was machen! Und zwar ganz und gar nicht allein! Sondern mit der Schwester, den Mädels, mit den Jungs, den Eltern…SOFORT!

Und dann besinne ich mich endlich…das ist jetzt ein neues Leben. Deine Freunde kommen dich oft besuchen, es gibt Skype, Whatsapp, Facebook, Brieftauben. Aber du musst dich auf das Neue einlassen…und dieses Neue ist gar nicht mal so schlecht. Es ist sogar ziemlich toll. Eine neue Chance. Ein neuer Abschnitt.

Und dann lege ich Zusammen ist man weniger allein in den DVD-Player, ziehe meine schlümelige Schlangen-Hose wieder an, kuschel mich auf die Couch und weiß: Ich bin allein, aber nicht einsam.

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