Das Streben nach Coolness

Excuse me bitch

Als ich mir das erste Mal Gedanken darüber gemacht hab, ob ich cool bin oder nicht, muss ich in den Anfängen der Pubertät gewesen sein. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meine Mutter zu blau-weißen Buffalos überredet habe (die sie zurecht pottenhässlich fand). Voller Stolz bin ich mit den Plateauklötzen zur Schule marschiert. Danach war ich mir sicher: JETZT bin ich cool. Aber reichen die angesagtesten Schuhe wirklich aus um cool zu sein? Kurz gesagt: Als 14-Jährige Ende der 90er war ich damit ganz gut gewappnet. Allerdings musste ich damals auch nicht ungeduldig darauf warten wie viele Likes ich mit den Schuhen auf Instagram bekomme.

Und heute? Tja, heute ist das ganze um Längen schwieriger geworden. Denn tolle Schuhe tragen wir alle. Da müsste man die Schuhe schon selber machen oder auf einem Vintageflohmarkt in London entdecken, wenn man etwas Besonderes sein will. Heute musst du Partys veranstalten, auf die nur wenige Leute eingeladen werden, um dann der ganzen Welt auf Facebook zu zeigen, dass alle Uncoolen nicht dabei waren. Heute musst du Gerichte kochen, mit Lebensmitteln, die man im Supermarkt gar nicht kaufen kann. Heute musst du dir die Clique so zusammenstellen, dass du immer weiter connecten kannst, auch, wenn du die meisten der Knallköpfe überhaupt nicht leiden kannst. Heute musst du so tun, als wäre Arbeit eine Nebensache in deinem Leben, weil du eigentlich immer nur im Gym abhängst, um die Welt reist und schöne Momente mit deinem Boyfriend verbringst.

Warum haben wir überhaupt das Bedürfnis immer der oder die Coolste zu sein? Geht es um Bewunderung? Um Anerkennung?Und ist so ein affektiertes Leben nicht viel zu anstrengend oder gewöhnt man sich an das künstliche coole Ich?

Vielleicht trägt das ach so coole Mädchen, das man jeden Morgen in der Bahn sieht, eine dicke fette Schicht Selbstschutz. Vielleicht würde sie auch lieber mit normalen Mädchen in einer lustigen Runde billigen Rotwein trinken ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie im Vergleich zu den anderen das tollste Leben führt. Vielleicht würden sie Gespräche über Gott und die Welt weiter bringen als Lästereien über die Freundin, die gerade nicht dabei ist.

Sind nicht gerade die cool, die keinen Wert auf Coolness legen?

Wenn es mir schlecht geht, dann rufe ich nicht die Freundin mit der ausgefallensten Frisur an, sondern die, die mir am besten zuhört und die klügsten Ratschläge gibt. Ist sie dann nicht vielleicht die coolste Freundin, die ich habe? Die Freundin, mit der ich momentan Diät mache und die uns dann eine fette Pizza mitbringt? Die Freundin, der ich beichte, dass ich dem Typen schon 10 Nachrichten geschrieben habe, obwohl er immer nicht geantwortet hat? Die Freundin, die sich das tausendste Mal anhört, dass ich mein Leben verändern will?

Aber so einfach ist es eben nicht. Jeder möchte ein Teil der coolen Gesellschaft sein. Wieso können wir bloß nicht ohne? Was macht uns so süchtig danach einer von dieser fiesen Masse sein zu wollen? So richtig lossprechen kann sich keiner davon die Aufmerksamkeit zu genießen, wenn man sie erst einmal erlangt hat.

Schnappt euch ein Stück vom Kuchen, aber überfresst euch nicht.

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